Kirche St. Nicolai zu Altengamme
Die älteste Dorfkirche im Gebiet der Vier- und Marschlande
Die Kirche St. Nicolai zu Altengamme ist dem heiligen Nikolaus von Myra, dem Schutzheiligen der Kinder, Fischer, Seefahrer und Händler, geweiht. Seit der Reformation, die in Altengamme um 1535 wirksam wurde, ist sie der Mittelpunkt einer evangelisch-lutherischen Gemeinde.
Auch wenn die erste urkundliche Erwähnung der Kirche erst 1247 erfolgte, wurden ihre heute noch erhaltenen Fundamente offenbar bereits mehr als 100 Jahre zuvor, während der ersten Besiedlungszeit der Vierlande in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, gelegt. Auf ihnen ruhte ein Wehrbau aus Feldsteinmauern, der zwischen Altarraum und dem heutigen Frauenbrauthaus noch erkennbar ist. Um 1605 wurde zusätzlich der hölzerne Turm neben der Kirche errichtet; damals hatte er, wie in der Gegend üblich, noch keine direkte Verbindung zum Haupthaus.
Nachdem die Kirche 1747 bei einem Unwetter eingestürzt war, wurde sie von 1748 bis 1752 wieder aufgebaut. Dieser neue Aufbau bestimmt bis heute das Erscheinungsbild der Kirche als Saalkirche mit halbrundem Chor. Nach dem Wiederaufbau erhielt die Kirche in den Jahren 1750 bis 1752 eine von Johann Dietrich Busch gebaute Barockorgel. Das heutige, 1963 von der Firma Emanuel Kemper & Sohn gebaute Werk befindet sich immer noch hinter dem Prospekt aus dem 18. Jahrhundert. Die Orgel wurde 1999 vollständig restauriert.
Der östliche Vorbau entstand 1837, der westliche Vorbau im Rahmen einer sehr umfangreichen Instandsetzung der Jahre 1907 und 1908 durch Julius Faulwasser mit Beratung durch Justus Brinckmann. Die letzten wichtigen Instandsetzungsarbeiten geschahen 1950 bis 1954 und beseitigten Schäden durch Feuchtigkeit in Mauerwerk und Fundament. Der höhere der beiden Anbauten wird als Männerbrauthaus bezeichnet, es ist innen mit einer Bauernmalerei verziert. Der kleinere Anbau ist innen schmucklos und wird als Frauenbrauthaus bezeichnet. Diese beiden Anbauten bilden die Haupteingänge in die Kirche.
Das Geläut der Kirche besteht aus drei Glocken. Die 1,40 m hohe und 36 Zentner schwere größte Glocke wird gemäß ihrer Inschrift „Celsa“ genannt. Sie war ursprünglich die viertgrößte Glocke des Hamburger Mariendoms und wurde dort auch als „Vier-Uhr-Glocke“ bezeichnet. Sie ist die einzige bis heute erhaltene Glocke des Geläuts des Mariendoms und wurde 1487 mit mindestens einer weiteren, größeren Domglocke von Gerhard van Wou am Hamburger Glockengießerwall gegossen. Im Rahmen des Domabbruchs 1804 verkaufte man sie zusammen mit anderem Material und so gelangte sie nach Altengamme. Die mittlere Altengammer Glocke wurde 1691 von Otto Struve gegossen, die kleine 1822 von Johann Diederich Bieber.
Fotos: Von Dirtsc – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25967627


